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Forschungsbereich Reproduktionsmedizin und Pferdezucht
Mit der Forschung im Bereich Reproduktionsmedizin und Pferdezucht am
Graf-Lehndorff-Institut werden die folgenden Ziele verfolgt:
· Weiterentwicklung
der assistierten Reproduktion beim Pferd und Entwicklung neuer
Methoden in der Veterinärgynäkologie und Andrologie,
· Erweiterung
des Wissens über die Physiologie von Gonadenfunktion,
Gametenentwicklung, Konzeption, Trächtigkeit und Geburt beim Pferd,
· Erforschung
infektiöser und nichtinfektiöser Fruchtbarkeitsstörungen,
· Analyse
der Wechselwirkungen zwischen der Fortpflanzung und externen
Faktoren wie Ernährung, Haltung und weiteren Umwelteinflüssen.
Die Forschung am Graf-Lehndorff-Institut wird in enger Kooperation
mit der Sektion Besamung und Embryotransfer und der Sektion
Geburtshilfe, Gynäkologie und Andrologie an der
Veterinärmedizinischen Universität Wien durchgeführt. Die
Untersuchungen reichen von gesunden Pferden in Neustadt und
klinischen Problemen in Wien bis zu zell- und molekularbiologische
Studien zur Funktion von Keimzellen und Embryonen.
Im Forschungsbereich Reproduktionsmedizin und Pferdezucht werden
derzeit folgenden Projekte bearbeitet:
Genetische Tests zur Vorhersage der Stutenfertilität
Die
Fruchtbarkeit von Stuten wird nicht nur durch die Umwelt
beeinflusst, sondern ist zu einem erheblichen Anteil genetisch
bedingt. Wieweit dies mit genetischen Tests vor dem Zuchteinsatz
erfasst werden kann, ist Frage eines Forschungsprojektes der auf
DNA-Analyse bei Tieren spezialisierten Firma Certagen in Rheinbach
bei Bonn. Forschungspartner in dem Projekt ist neben dem
Graf-Lehndorff-Institut auch der Oldenburger Verband.
Genetisch
bedingte Fruchtbarkeitsmerkmale werden z.T. über die sogenannte
mitochondriale DNA von Stuten direkt auf ihre Töchter weitergegeben
und damit ausschließlich über die weibliche Linie vererbt. In dem
Forschungsvorhaben wird daher die mitochondriale DNA bei Stuten
analysiert und mit der Fruchtbarkeit korreliert. Die Neustädter
Stutenfamilien mit einer auf der Mutterseite über viele Generationen
konsolidierten Genetik und detaillierten Informationen zur
Fruchtbarkeit bilden hier ein hochinteressantes
Untersuchungsmaterial.
Prophylaxe der frühembryonalen Mortalität (Fruchtresorption)
Trächtigkeitsverluste beim Pferd erfolgen häufig in einer sehr
frühen Phase (Fruchtresorption). Obwohl verschiedene prophylaktische
Behandlungen versucht werden, gibt es bislang keine zuverlässige,
anerkannte Behandlung der Fruchresorption. In dem Forschungsprojekt
wird der Einfluss einer Behandlung mit trächtigkeitserhaltenden
Hormonen (Gestagenen) analysiert. Ziel ist die Entwicklung
spezifischer und gute wirksamer Behandlungsvorschläge, mit denen ein
Absterben des frühen Embryos verhindert werden kann.
Geburtsmechanismen, Trächtigkeitsmonitoring und Fetaldiagnostik
Die zur Geburt führenden hormonellen Regelmechanismen sind zwar beim
Menschen sowie auch bei Rindern und Schafen sehr gut untersucht, zur
Geburt beim Pferd sind aber noch viele Fragen offen. So weist
bereits die physiologische Trächtigkeitsdauer beim Pferd eine enorme
Streuungsbreite auf. Stuten können die Geburt über mehrere Stunden
verzögern und dann innerhalb kurzer Zeit abfohlen, sobald sie die
Situation im Stall als ruhig und gefahrlos wahrnehmen.
Geburtsstörungen beim Pferd sind immer Notfallsituationen, die ein
rasches tierärztliches Eingreifen notwendig machen. Beim Pferd gibt
es derzeit jedoch nur begrenzte Möglichkeiten für Fetaldiagnostik
und Trächtigkeitsmonitoring. Die hormonelle Steuerung der Geburt,
die Überwachung der Trächtigkeit, die Vorhersage des Abfohltermins
und die Anpassung des Fohlens an die neuen Anforderungen werden in
verschiedenen Forschungsprojekten am Graf-Lehndorff-Institut und an
der Veterinärmedizinischen Universität untersucht.
Fohlenrossedurchfall –
Möglichkeiten einer Prophylaxe durch die Fütterung
Stuten kommen fast stets innerhalb von zwei Wochen nach dem Abfohlen
wieder in Rosse und können dann oft bereits wieder erfolgreich
belegt werden. Zeitgleich mit dieser ersten Rosse der Stute – in der
Pferdezucht als “Fohlenrosse” bezeichnet – zeigen viele Fohlen einen
nicht-infektiösen und nicht mit Störungen des Allgemeinbefindens
verbundenen Durchfall. Die Ursachen des Fohlenrossedurchfalls sind
weitgehend ungeklärt. Neben Einflüssen von Rossehormonen der Stute
werden u.a. eine Umstellung der Darmflora des Fohlens, das zu dieser
Zeit beginnt, vorsichtig feste Nahrung aufzunehmen, Veränderungen
der Darmschleimhaut vermutet. Beim Rind können Durchfallerkrankungen
des Neugeborenen durch Zufütterung von ß-Carotin an das Muttertier
deutlich reduziert werden. Diesen Zusammenhängen wird am
Graf-Lehndorff-Institut für Pferde nachgegangen. Die Studie wird
gemeinsam mit dem Institut für Ernährungswissenschaften der
Universität Potsdam und dem Institut für Physiologie der
Tierärztlichen Fakultät in Bern, Schweiz, durchgeführt.
Embryonalentwicklung und Embryotransfer
Der Embryotransfer (ET) als eine neue Reproduktionsbiotechnik wird
zunehmend auch in der Pferdezucht angeboten. Der ET ermöglicht es,
Leistungsstuten parallel sowohl im Turniersport als auch in der
Zucht einzusetzen, mehrere Fohlen pro Jahr von einer Stute zu
erhalten oder Embryonen aus sehr alten Stuten durch Empfängerstuten
austragen und aufziehen zu lassen. Der Erfolg des ET wird durch eine
Vielzahl von Faktoren beeinflusst, und die mittels ET erzielten
Trächtigkeitsraten zeigen eine hohe Variabilität. Mit adäquater
Ausrüstung und Erfahrung des ET-Tierarztes ist bei Verwendung
fertiler Embryonenspender heute eine Embryonengewinnungsrate von 60
bis 70% erreichbar. Dagegen ist die Trächtigkeitsrate der
Empfängerstuten nach Übertragung eines Embryos oft nicht zufrieden
stellend.
In Studien am Graf-Lehndorff-Institut werden anhand neuer Kenntnisse
zur frühen Embryonalentwicklung beim Pferd Verfahren und
Behandlungen entwickelt, mit denen die Trächtigkeitsraten beim
Embryotransfer verbessert und Trächtigkeitsverluste minimiert werden
sollen. So führt z.B. eine Behandlung mit entzündungshemmenden
Medikamenten zu hohen Trächtigkeitsraten nach Embryonenübertragung.
Dieses in Wien und Neustadt entwickelte Behandlungsverfahren wurde
von der Arbeitsgruppe des Graf-Lehndorff-Instituts erstmals
publiziert und wurde von vielen ET-Teams in der ganzen Welt
übernommen.
Geschlechtsbestimmung bei Pferdeembryo
Während beim Menschen die werdenden Eltern fast stets bereits
wissen, ob sie ein Mädchen oder einen Jungen erwarten, ist das
Geschlecht des neugeborenen Fohlens für den Züchter fast immer eine
Überraschung. Das Team des Graf-Lehndorff-Instituts untersucht
daher, ob mit modernen molekularbiologischen Methoden das
Geschlecht des Fohlens bereits aus Blutproben der Stute während der
Trächtigkeit bestimmt werden kann. Weiterhin werden Verfahren zur
Geschlechtsbestimmung beim Embryo vor dem Transfer entwickelt.
Einfluss von präbiotischen Futterzusätzen auf Bakterien der
Genitalschleimhäute bei Hengsten
Präbiotische Futterzusatzstoffe wirken regulierend auf die Keimflora
im Darm und können eine Vermehrung pathogener Keime oft verhindern.
Ob solche nicht-antibiotischen Substanzen auch einen Effekt auf
Keime der Genitalschleimhaut bei Hengsten haben wird in Neustadt
untersucht. Kooperationspartner sind das Institut für Mikrobiologie
der Veterinärmedizinischen Fakultät in Leipzig, und die Firma
Hermesfutter in Rohrdorf, Bayern. |